Als Teilhaber einer Firma, die Nahrungsergänzungsmittel herstellt und als Tierarzt ist es eigentlich fast schon eine Berufskrankheit, dass alle Themen die sich mit Tieren und vor allen mit denjenigen, die auf unseren Tellern landen oder zu Produkten verarbeitet werden, sofort meine Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Dieser innere Impuls schläft nie – zum Leidwesen meiner Freundin auch im Urlaub, so wie dieses Mal als ich zufällig die Headline der Zeitung „Die Zeit“ entdeckt, die da folgend lautete: „ Wie gesund ist dieser Fisch?“, darunter das Bild eines schön angerichteten Lachssteck – etwas catchy, aber ausreichend um mein Interesse sofort zu erwecken.

Am Strand angekommen, gegen Wind und das riesige Format der Zeitung ankämpfend, habe ich mich in den Artikel vertieft – und war zugegeben geschockt, was sich mir da an Information auftat. Als Tierarzt weiß man über Antibiotika und die Problematik in der Aufzucht von Tieren, die uns als Nahrung dienen, Bescheid – beim Zuchtlachs aus Norwegen gab es auch in der Vergangenheit genug Reportagen in der Vergangenheit in den Medien, aber die gewaltigen Ausmaße der Zuchtlachsindustrie, aus deren Abfälle ja auch viele Fischölpräparate produziert werden, waren mir nicht einmal annähernd bewusst und Grund genug, sie zusammenzufassen um mit aller Deutlichkeit darauf hinzuweisen, weder Zuchtlachs in Form von Steaks oder Sushi selber zu essen und schon gar nicht Kindern oder Schwangeren zu geben, aber auch die Finger von jedem Fischölprodukt zu lassen, auf dem nicht nachweislich deklariert ist, ob das Fischöl aus Wildlachs oder Zuchtlachs gewonnen wird.

Als erstes ist es einmal wichtig zu verstehen, wieso es soweit eigentlich soweit kommen musste und dafür müssen wir etwas in der Zeit zurück gehen:

Ende der 80er Jahre, war Lachs ein Gericht dass nur den betuchten Leuten in noblen Restaurants vorgesetzt wurde, der Fisch wurde damals wild gefangen und war eine sehr gesunde Quelle für Protein und gute Fette – auf der Speisekarte von „normalen“ Restaurants fand sich der Lachs nie.

Erst in den 90er Jahren entstanden in Norwegen eine große Anzahl von Lachsfarmen, wo die Tiere in großem Stil und vor allem kostenreduziert gezüchtet wurden – dies ermöglichte dem Lachs den Einzug in die Regale der Supermärkte und auf die Menüs der Restaurants für jedermann, angepriesen als gesunde und wohlschmeckende Speise.

Mit der Nachfrage stieg die Produktion – und zwar in einem Ausmaß, dass irgendwann einmal nicht mehr genug Futter, welches zu einem Großteil aus kleinen Fischen wie Sardinen hergestellt wurde, für die Zuchtlachse produziert werden konnte.

Wie immer ist die Industrie nie um eine Antwort verlegen – und wenn sie damit noch mehr Geld machen kann, dann freut man sich und verliert dabei Gewissen und Rückgrat, doch dazu komme ich später noch detailliert.

Die Antwort der Industrie war simpel – man beschloss den Lachs einfach zum Vegetarier zu machen (wobei der Fisch durch diese Ernährung auch viel weniger wertvolle Omega3 Fettsäuren ansetzt als Wildlachs).

Nichts leichter als das, auf Kosten vieler Kleinbauer und auf Kosten des Regenwaldes wurde nun in Megafarmen in Brasilien investiert, die nichts anderes zu tun hatten, als Soja in absurd großen Mengen zu produzieren.

Nun liegt Brasilien und Norwegen nicht wirklich nebeneinander, und das Soja – mittlerweile mit ein wenig Fischöl und Fischmehl zu Futterpellets gepresst – muss ja irgendwie zu den Zuchtfarmen in Norwegen. Eine Schifffahrt ist lustig, eine Schifffahrt die ist schön – im Falle von den Futterpellets birgt sie aber ein gewisses „kleines“ Risiko: verbindet sich Sauerstoff mit den Futterpellets, so kann es zu Explosionen führen – im Bauch eines riesigen Tankers, voll beladen mit wertvollen Futter für die Zuchtlachsindustrie nicht wirklich ein ideales Szenario.

Was braucht man nun? Die Lösung liegt auf der Hand, es bedarf eines Stoffes, der die Explosionsgefahr entschärft – und hier kommt der Punkt, an dem es mir alle Haare im Nacken aufstellte und mir ein Fluch über die Lippen kam, der einen alten Seebären erröten lassen würde aber mir auch die entrüstet-schockierten Blicke sämtlicher Mütter im Umkreis von gefühlten 50 Metern am Strand einbrachte: das Mittel, das hierbei verwendet wurde, hat den schönen Namen Ethoxyqin.

Für diejenigen, bei denen der Name noch keine Alarmglocken im Kopf schrillen lässt, hab ich noch einen zweiten Namen: Monsanto.  Schon mal gehört, oder? Die stellen nämlich dieses tolle Mittelchen her und waren vor kurzer Zeit in diversen Medien vertreten, da der Pharmariese Bayer das Unternehmen kaufte und sie sich in den USA einer Vielzahl an Klagen von Bauern gegenüber sahen, die den Unkrautvertilger Glyphosat eingesetzt hatten, der 2015 von der WHO als wahrscheinlich krebserregend eingestuft wurde.

Ethoxyquin ist wirkt antioxidierend, ist ein Pestizid und wird/wurde als Pflanzenschutzmittel eingesetzt. Es steht im Verdacht krebserregend zu sein und wissenschaftlichen Studien zu Folge kann es unser Erbgut schädigen – aus diesem Grund darf es seit 2011 in der Europäischen Union NICHT mehr als Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden und seit 2017 auch NICHT mehr Tierfutter beigemengt werden. Nicht bei Hühnern, nicht bei Schweinen, nicht bei Rind, Wachteln, Känguru oder was auch immer – es darf NICHT beigemengt werden.

Manch einer wird sich denken: „ Ist ja alles schön und gut, warum macht der hier so ein Fass auf?“ – aber hier kommt’s: Bei Fischen ist es ganz anders. Bei Fischfutter darf es und wird es eingesetzt werden. Warum das so sein kann? Tja, das kann man glaub ich mit einem einfachen Wort beantworten – POLITIK. Darauf näher einzugehen würde den Rahmen eines Blogartikels sprengen,  interessierten Personen kann ich google und die Suchwörter: Norwegen –  Ethoxyquin – Lachs ans Herz legen, es gibt eine Vielzahl an Berichten von seriösen Medien, die erklären, wie es gelingt hier legal Pestizide in unsere Nahrung zu packen.

Und wie schaut es bei uns aus? Mitarbeiter von Greenpeace haben in den letzten 2 Jahren in Deutschland 45 Lachsprodukte gekauft und testen lassen,  bei 75% der Proben wurden die Höchstwerte überschreiten – bei einem sogar um das 17fache.

Ich fasse noch einmal kurz zusammen:

Ethoxyqin: verboten in der Verwendung bei Pflanzen und bei sämtlichen Tierfutter mit Ausnahme von Fischfutter.

Ethoxyquin: im Verdacht krebserregend  zu sein und unser Erbgut zu schädigen.

Ehrlich – geht´s noch?  Lachs, der uns von der Industrie als DAS gesunde Lebensmittel angepriesen wird? Das man Kindern geben soll? Das teilweise Schwangeren empfohlen wird, 2 Mal pro Woche zu verzehren? Das jeder der ein Freund von Sushi ist, sehr gerne in seinem großen Sushi Set vorfindet? Aus dem auch Fischölkapseln hergestellt werden?

Pfui Teufel sag ich da nur, nichts anderes fällt mir dazu ein. Wobei ohja, würde schon – aber das gehört sich wahrscheinlich nicht in einen Artikel.

Euer Stefan.

Siehe auch:

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1257546/

 

 

 

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